einself

Notiz zur Bundestagswahl 2017

Tja. 2010 schrieb ich meine Magisterarbeit über die Chancen für Demokratie und Gesellschaft durch soziale Netzwerke. Keine idealistische, aber eine durchaus optimistische Arbeit. 2017 schrieb ich dagegen einen Roman über hatespeech und den Unschuldsverlust von social media, dem wir den Erfolg von Trump, AfD & Co. verdanken. Was ist bloß in diesen sieben Jahren passiert? Die Hauptfigur meines Romans ist eine Trollin. Sie glaubt:

Die Nullen oder die, die sich für welche halten, haben die Erregungsspirale so lange nach oben geschraubt, bis alles aus dem Gleichgewicht geraten und vom Binärcode neutraler Einsen und Nullen bloß ein permanentes, überreiztes Einself übrig geblieben ist. Am Anfang war das Wort? Meinetwegen. Caps Lock und Ausrufungszeichen leiten jedenfalls das Ende ein. Wer schreit, hat Recht. All die naiven digital natives, die von einer besseren Welt dank sozialer Netzwerke träumten, werden von wütenden weißen Männern niedergemetzelt wie wehrlose Indianer. Willkommen im Neuland!

Aber: Das ist bloß eine Zustandsbeschreibung. Es liegt an uns, dass wir uns vernetzen, anstatt zu spalten. Dass wir offensichtlichen Lügen die Wahrheit entgegensetzen. Und nicht zuletzt, dass wir das Spiel der AfD nicht mitspielen. Diese Partei lebt von Lärm und Wut. Was wir brauchen, ist Gelassenheit. Lassen wir nicht zu, dass diese Menschen die Erregungsspirale in den kommenden vier Jahren immer weiter nach oben treiben und damit unsere Demokratie verrohen. Die sind nicht das Volk. Das sind wir, die 87 Prozent, die keine Nazis ins Parlament gewählt haben.

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Notizen 8/17

Bevor nächste Woche die Longlist des Deutschen Buchpreises bekanntgegeben wird, melde ich mich mit einigen kurzen Notizen aus meiner Sommerpause. Wir Buchpreisblogger haben uns im Laufe der letzten Wochen schon einmal vorgestellt – und zwar ohne Worte: Inspiriert von der Fotorubrik aus dem SZ-Magazin beantworten wir Fragen allein mit Buchtiteln. Die amüsanten Fotostrecken meiner Mitstreiter findet ihr auf dem offiziellen Buchpreisblog, meine habe ich gleich hier für euch angehängt.

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Wer sich schon einmal auf die Longlist einstimmen will und noch etwas zum Lesen für den Sommer braucht, dem seien natürlich auch die nominierten Titel der vergangenen Jahre ans Herz gelegt. Aus dem letzten Jahr empfehle ich ganz besonders Die Welt im Rücken von Thomas Melle, 2015 hat mich die Lektüre von Rolfs Lapperts Über den Winter sehr bewegt. Vielleicht gehören die Rezensionen beider Romane deshalb auch zu meinen liebsten. Aktuell und ein wenig urlaubstauglicher, aber nicht weniger überzeugend ist So, und jetzt kommst du von Arno Frank, das ich nicht nur hier im Blog, sondern auch in der aktuellen Ausgabe des Stuttgarter Stadtmagazins LIFT empfohlen habe.

War noch was? Ach ja: Dank eines wochenlangen und kräftezehrenden Endspurts habe ich es tatsächlich geschafft – mein neuer Roman ist fertig! Nach anderthalb Jahren, in denen es mir meine eigenwilligen Figuren nicht immer leicht gemacht haben, bin ich mehr als stolz auf das Ergebnis. einself – so der aktuelle Titel – ist ein tragikomischer Roman über junge Eltern, die zwischen Kind, Karriere und dem Bedürfnis nach Unabhängigkeit ihre Mitte verlieren. Zugleich ist es ein Roman über hatespeech und die Kehrseite sozialer Netzwerke – und vermutlich das Bissigste und Politischste, das ich bislang geschrieben habe.

Zu gegebener Zeit werde ich natürlich mehr darüber erzählen – jetzt freue ich mich jedoch erst einmal auf meinen Urlaub und viel Zeit für die Lektüre der Longlist!