Monat: April 2016

Die kleinen Leute. Über „Cold Spring Harbor“ von Richard Yates

Cold Spring Harbor von Richard Yates

Es gibt sie ja, diese One Trick Ponys in der Literatur: Während sich andere Autoren mit jedem Buch neu erfinden, drehen sich ihre Geschichten stets um dieselben Themen, leiten sich ihre Figuren stets als Variationen aus der eigenen Biographie ab. Egal, welche Bücher man von diesen Autoren aufschlägt, man fühlt sich in ihnen gleich zuhause. Im „Zuhause“ von Richard Yates begegnen wir immer wieder aufs Neue der Hölle des vielzitierten Anna-Karenina-Prinzips: Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.

Ein Chronist gescheiterter Lebensentwürfe – so nannte Birgit Böllinger ihre Rezension zu „Cold Spring Harbor“ auf Sätze & Schätze; treffender kann man das Lebenswerk von Richard Yates nicht zusammenfassen. All seinen Figuren gemein ist das Scheitern an der eigenen Hybris. Sie alle wollen ausbrechen: aus ihrem festgefahrenen Leben und einengenden Beziehungen, aus ihren vorgesehenen Rollen und den Grenzen kleinbürgerlicher Existenz. Sie erwarten mehr vom Leben als das, was ihnen in die Wiege gelegt wurde, fordern ein, was ihnen der Amerikanische Traum einst versprach. Doch keiner von ihnen kann aus seiner Haut: Immer sind es mangelnde Einsicht, Hochmut und die Unfähigkeit zur Selbstreflexion, die sie – mitunter leichtfertig – falsche Entscheidungen treffen lassen und ihre Ambitionen zu Fall bringen. Richard Yates seziert das Scheitern seiner Figuren mit geradezu spöttischer Nüchternheit. Er hat kein Erbarmen, kein Mitleid mit seinen Figuren – schließlich macht er sich vor allem selbst zur Zielscheibe seines Spotts. In seinen Augen ist er einer von ihnen: ein Verlierer.

Verlierer des Amerikanischen Traums

Obwohl ihn inzwischen viele Autoren der amerikanischen Gegenwartsliteratur als Vorbild nennen, blieb Yates der Erfolg zu Lebzeiten verwehrt. Im Scheitern seiner Figuren verhandelte er stets auch sein eigenes: Seine Erzählungen und Romane sind bevölkert von überambitionierten Künstlern und labilen Alkoholikern, deren Zusammenbrüche und Aufenthalte in geschlossenen Psychiatrien seinen eigenen Niedergang spiegeln. Besonders darum gelang ihm die Charakterisierung seiner Protagonisten so glaubwürdig und emphatisch wie nur wenigen anderen; Yates Figuren wirken vor allem deshalb wie aus dem Leben gegriffen, weil sie es sind. (mehr …)

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Auswahl für ]trash[pool #7

trashpool7-faceIhr habt es uns wirklich nicht leicht gemacht: Wir hätten aus euren vielen großartigen Einsendungen gleich zwei Ausgaben machen können. Entsprechend schwer fielen uns einige Entscheidungen. Aber nun steht sie, die Auswahl für ]trash[pool #7 – mit mehr AutorInnen als in jedem Heft zuvor!

Freut euch auf Texte von Kerstin Becker, Anna Fedorova, Steffen Greiner, Marcus Hammerschmitt, Carla Hegerl, Sven Heuchert, Matthias Kaiser, Thomas Lässing, Yannick Lengkeek, Luca Lienemann, Andrea Mittag, Bernard Moussian, Tobias Pagel, Martin Piekar, Tina Pokern, Simon Priesching, Elena Schilling, Stefanie Schleemilch, Frank Schliedermann, Klaus F. Schneider, Jan Snela, Katja Thomas, Stephan Turowski, Florian Wacker, Achim Wagner sowie Collagen von Knut van Brijs.

Außerdem haben wir im kommenden Heft einen Schwerpunkt zum Thema Literaturkritik: Im redaktionellen Teil erwarten euch ein Interview mit Volker Weidermann vom Literarischen Quartett sowie eine Rezension von Sophie Weigand (Literaturen)!

]trash[pool #7 erscheint im Herbst – pünktlich zur Frankfurter Buchmesse!

[Interview] Zehn Fragen an zwölf DebütantInnen

Bildschirmfoto 2016-04-10 um 20.05.05Im Rahmen des Schwerpunktes “Literarische Debüts” auf Literaturkritik.de haben zwölf AutorInnen – u.a. Pierre Jarawan, Mirna Funk und meine Wenigkeit – Fragen zur Gegenwartsliteratur und ihrem Schreiben beantwortet. Das Interview wurde ebenfalls bei den lieben Kolleginnen von Das Debüt veröffentlicht – vielen Dank an Bozena Anna Badura!