Richard Yates

Drei Bücher über… Künstlerleid

IMG_0248Dass Künstler leiden müssen, um echte Meisterwerke zu schaffen: Natürlich ist das ein Klischee. Die meisten Künstler wachen morgens nicht neben leeren Flaschen, Tablettenblistern und verworfenen Abschiedsbriefen auf, bevor sie mit dem Blut ihrer aufgeschnittenen Pulsadern für uns ihr Meisterwerk zu Papier bringen. Die meisten stellen sich vermutlich einfach einen Wecker, setzen sich nach dem Frühstück mal mehr, mal weniger inspiriert an die Arbeit und trinken dabei höchstens zu viel schalen Filterkaffee. Die Vorstellung vom leidenden Genie ist deshalb nicht nur ein Klischee, sondern auch eine romantische Verklärung ernster seelischer Erkrankungen. Und doch gibt es sie natürlich, die Künstler, deren Werk untrennbar mit dem eigenen Leben verknüpft ist. Autoren und Musiker, die vielleicht nicht zwingend autobiografisch schreiben, es aber stets mit persönlicher Dringlichkeit und emotionaler Aufrichtigkeit tun. Und ganz gleich, ob in der Musik oder in der Literatur: Meist schreiben sie die Songs, schreiben sie die Bücher, die mir wirklich etwas bedeuten. Weil diese eben nicht nur eine Geschichte erzählen, sondern etwas darüber, was es – so nannte es David Foster Wallace einmal in einem Interview – „verdammt noch mal heißt, ein Mensch zu sein.“

Biografien über Künstler, die ihr Leben und ihr Leid in ihren Werken verarbeiteten, laufen natürlich stets Gefahr, bloß unseren Voyeurismus zu bedienen und in Geniekitsch abzudriften. Zugleich können sie ein Werk aber auch aufschlüsseln und dadurch neue Einsichten, ein tieferes Verständnis ermöglichen. Und gerade weil mich das Schaffen von Richard Yates, David Foster Wallace und Eels-Sänger Mark Oliver Everett aus unterschiedlichen Gründen inspirierte und prägte, empfand ich die folgenden Bücher als große Bereicherung.

Rainer Moritz – Der fatale Glaube an das Glück

Man kann jedes Ziel erreichen, wenn man nur hart genug dafür arbeitet: Auch der junge Mann, der schon immer Schriftsteller werden wollte, hat sich seinen Debütroman hart abbringen müssen und mit dem Scheitern seiner Ehe einen hohen Preis für dessen Entstehung gezahlt – aber der Erfolg scheint ihm und dem amerikanischen Traum Recht zu geben. Dreißig Jahre später sieht die Sache jedoch anders aus. Den Erfolg seines Erstlings hat er nie wiederholen können. Stattdessen ist er trotz acht weiterer Buchveröffentlichungen als Autor weitestgehend vergessen und stirbt als zweifach geschiedener, verarmter Alkoholiker und Kettenraucher, der zuletzt weder von seinen Kollegen noch von seinen Schreibstudenten ernst genommen wurde. Die bittere Pointe: Jahre nach seinem Tod wird er von der Literaturwelt in großem Stil wiederentdeckt und gehört heute fest zum Kanon der amerikanischen Nachkriegsliteratur. Klingt wie ein Roman von Richard Yates? Ist aber sein Leben.

Wenn es ein Thema gibt, das sich durch alle Romane und Erzählungen von Richard Yates zieht, dann ist es das Scheitern. Wie kein Zweiter sezierte er die Lebenslügen seiner Figuren, ihr Scheitern am amerikanischen Traum und den eigenen Ansprüchen – und zwar so präzise beobachtet und gnadenlos, dass es zuweilen an Spott grenzte. Man muss kein Experte sein, um zu ahnen, dass Yates dabei stets auch das Scheitern seines eigenen Lebensentwurfs, seine regelmäßigen Abstürze in Sucht und Depression literarisch verarbeitete. Spuren seiner Biografie lassen sich in all seinen Texten nachweisen, am klarsten jedoch im Roman Ruhestörung, zu dem Yates einerseits seine frustrierenden Erfahrungen in Hollywood, in erster Linie aber sein Alkoholismus und der Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt inspirierten. Aber nicht nur Wiedergänger von Yates selbst tauchen in seinen Texten auf: Neben einigen anderen Personen aus seinem Leben dient besonders seine Mutter immer wieder als (zumeist unvorteilhaftes) Vorbild vieler Frauenfiguren. Obwohl Rainer Moritz anhand etlicher Textstellen die Parallelen zwischen Leben und Werk aufschlüsselt, würdigt er in seiner Biografie mit dem allzu passenden Titel aber auch die künstlerische Leistung von Yates, indem er dessen Arbeiten durchaus kritisch einordnet und dabei vor allem die Romane Zeiten des Aufruhrs und Easter Parade als Meisterwerke hervorhebt.

Literarisch ist Yates für mich in vielen Punkten ein Vorbild, umso bitterer lasen sich natürlich die Abschnitte in seiner Biografie, die sich seinen letzten Jahren als krankem, gescheitertem Autor widmen. Heute ist Richard Yates den meisten Lesern ein Begriff, tatsächlich ist zu seinen Lebzeiten aber nur ein einziger Roman, sein Debüt, ins Deutsche übersetzt worden – und zwar in der DDR. Als Leser ist der posthume Ruhm von Yates für mich insofern ein Glücksfall, als Autor empfinde ich ihn dagegen als zutiefst tragisch. Ein schwacher Trost: Es wäre vermutlich eine Pointe ganz nach seinem Geschmack gewesen.

D.T. Max – Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte

Man muss nichts über Richard Yates wissen, um seine Bücher zu lesen. Sie sind zugänglich und abgeschlossen, stehen weitestgehend für sich selbst. Als ich 2009 mit Unendlicher Spaß erstmals etwas von David Foster Wallace las (und mit 2009 meine ich: über das ganze Jahr verteilt), wusste ich fast nichts über ihn: Klar, er galt als Genie, als schwieriger und kluger, zugleich aber auch unterhaltsamer Autor. Und er hatte sich aufgrund seiner Depressionen erhängt. Kaum mehr als Basiswissen also, trotzdem war die Lektüre seines Mammutromans eine meiner bis heute intensivsten, herausfordendsten und lehrreichsten Leseerfahrungen überhaupt. Nie wieder war ein Roman für mich zugleich so traurig und witzig, so brillant und albern, so anstrengend und belohnend wie Unendlicher Spaß. Und nie wieder war ich so froh, ein Buch endlich, endlich zu Ende gelesen zu haben.

Bis ich die Wallace-Biografie von D.T. Max las. Plötzlich reizt es mich wieder, mir die knapp 1.600 Seiten tatsächlich noch einmal vorzunehmen – und zwar mit dem Wissen um die unzähligen autobiografischen Bezüge und Schlüsselfiguren, die David Foster Wallace in Unendlicher Spaß einbaute, dem Wissen um seine Kranken- und Suchtgeschichte, dem Wissen um den lebenslangen Kampf gegen seine Dämonen, den er 2005 schließlich aufgab. Nach der Lektüre seiner Biografie wird es ein anderer, wahrscheinlich sogar noch besserer Roman für mich sein. Allerdings ist Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte keine trockene literaturwissenschaftliche Textanalyse; D.T. Max gelingt es mit viel Empathie, dem Leser David Foster Wallace auch als Menschen näherzubringen, ohne dabei ins Voyeuristische abzudriften. Seine Biografie ist selbst für jene nachvollziehbar und lesenswert, die noch nie ein Buch von Wallace in der Hand hatten – und ein guter Anreiz, das bald zu ändern.

Mark Oliver Everett – Things the grandchildren should know

Zum Abschluss ein Happy End: Zehn Jahre nach Erscheinen seiner Autobiografie ist Mark Oliver Everett alias „E“ noch am Leben, das zwölfte Eels-Album The Deconstruction ist gerade erst erschienen. Auch heute schreibt er noch Songs über die Höhen und Tiefen seines Lebens – nur sind sie, seit die Tiefen in seinem Leben nicht mehr ganz so tief sind, inzwischen ein bisschen flacher geworden. In den Neunzigern war das noch anders: Alben wie Electro-Shock Blues waren lyrisch ein Schlag in die Magengrube, verhandelten mal resigniert und bitter, mal mit lakonischem Humor die gehäuften Schicksalsschläge in Everetts Leben. Er war es, der mit 19 seinen Vater tot auffand – einen genialen, aber verkannten Physiker, der sich verbittert von seiner Familie entfremdet hatte. Später nahm sich Marks Schwester, die schon früh unter einer psychischen Erkrankung litt, das Leben, kurz darauf verlor er auch seine Mutter an Krebs. Seine Cousine? Saß im Flugzeug, das am 11. September 2001 ins Pentagon flog. Und das waren nur die größten Katastrophen in Mark Oliver Everetts leidgeprüftem Leben. In Things the grandchildren should know schreibt er mit der aus seinen Texten gewohnten Lakonik unterhaltsam, aber auch schmerzhaft offen über die Jahre voller Trauer und Depression – und darüber, wie ihm die Musik das Leben rettete. Diese Dringlichkeit hört man den ersten sechs Alben der Eels – von Beautiful Freak bis hin zu Blinking Lights and other Revelations – jederzeit an. Nach seiner Autobiografie (und dem gleichnamigen Song) scheint E allerdings seinen Frieden mit dem Leben gemacht zu haben, die Intensität seiner früheren Texte hat er seither nie wieder erreicht. Vielleicht stimmt es in manchen Fällen ja doch: dass Künstler leiden müssen, um echte Meisterwerke zu schaffen. Dem Mann namens E sei sein Happy End – mit allen gewöhnlichen Höhen und Tiefen – jedenfalls gegönnt. Es ist nämlich alles andere als selbstverständlich.


Rainer Moritz: Der fatale Glaube an das Glück. Erschienen bei DVA, 208 Seiten. // D.T. Max: Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte. Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 512 Seiten. Linktipps: Ein Interview mit D.T. Max sowie sein Essay über Wallaces letzten Tage. // Mark Oliver Everett: Things the grandchildren should know. Erschienen bei Little, Brown, 246 Seiten sowie als Glückstage in der Hölle in deutscher Übersetzung von Hannes Meyer bei Kiepenheuer & Witsch, 224 Seiten.

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Mad Men: „Alles über Heather“ von Matthew Weiner

Matthew Weiner - alles über heatherUnd schon wieder ist es passiert: Der Buchmarkt ist tot. Diesmal wirklich. Also so richtig. Schuld sind all diese neuen herausragenden Serien, die ja eigentlich den guten alten Roman zum Vorbild haben, schuld sind Netflix und all die Bingewatcher da draußen, die weder Lust auf die hundertsiebenundachtzigste Marvelverfilmung noch auf den nächsten zielgruppenformatierten Krimischmöker mit bereits von elf anderen Verlagen erprobtem Coverdesign haben. Vielleicht wollte Matthew Weiner also lieber noch schnell ein Buch schreiben, solange es noch welche gibt. Vielleicht ist er aber auch einer dieser Visionäre, die wissen, wann man antizyklisch denken muss, und hat den nächsten großen Hype – das Comeback des totgesagten Buchs – zur rechten Zeit antizipiert. Vielleicht, ganz vielleicht hat Matthew Weiner aber auch einfach nur eine gute Geschichte erzählen wollen und dafür das Medium gewählt, das für sie am besten geeignet war. Soll es ja geben.

Matthew Weiner, das sollte man wissen, ist nämlich eigentlich Serienautor. Unter anderem schrieb er an der Mutter aller modernen Serien, The Sopranos, mit. Vor allem aber war Weiner Schöpfer und Showrunner von Mad Men, einer sieben Staffeln langen und mit Preisen überhäuften Serie über eine Werbeagentur in den Sechzigern, die tatsächlich zum Besten zählt, was das Fernsehen in den letzten zwanzig Jahren hervorgebracht hat. Nach dem Ende von Mad Men hat sich Weiner jedoch keine neue Serie ausgedacht. Sondern einen Roman geschrieben. Seinen ersten.

Alle lieben Heather

Die Geschichte von Alles über Heather ist schnell erzählt. Mark und Karen Breakstone führen eigentlich ein gutes Leben, glücklich sind sie aber deshalb noch lange nicht – ein klassischer Tolstoi-Topos also. Mark Breakstone ist kein Don Draper, noch nicht einmal ein Pete Campbell. Zwar hat er es zu einigem Wohlstand gebracht, dennoch ist er so unscheinbar, dass er bei Beförderungen stets übergangen wird. Immer sind andere charismatischer, besser vernetzt, erfolgreicher als er. Seine Frau Karen hat ihre ohnehin kaum aussichtsreiche Karriere dagegen der Familienplanung geopfert – und damit dem einzig Guten, das ihrer Ehe entsprungen ist: ihrer in allen Belangen perfekten Tochter Heather. Fortan ist Heather der Mittelpunkt in Karens Leben. Sie pflegt weder Freundschaften noch ihre Ehe mit Mark, kümmert sich einzig und allein um das Wohlergehen ihrer Tochter. Umso schlimmer ist es deshalb für sie, als Heather zum Teenager heranreift und beginnt, sich von ihrer überfürsorglichen Mutter abzunabeln und stattdessen ihrem Vater zuzuwenden.

Heather ist Fixpunkt und Projektionsfläche für alle Figuren des Romans. Jeder sieht in ihr dasjenige, was seinem Leben fehlt. Heather ist es, die die Leere in Karens Leben füllen soll. Mark empfindet Heather nach Jahren in einer lieblosen Ehe dagegen als einzigen emotionalen Anker in der Familie. Und für den Bauarbeiter Bobby, der die Fassade ihres Hauses renoviert und der vierzehnjährigen Bewohnerin immer wieder verstohlene Blicke zuwirft, ist Heather vor allem eines: das perfekte, erhabene Opfer.

Bobby Klasky ist die dritte Hauptfigur des Romans, ein ewiger Verlierer, der nie, noch nicht einmal von seiner heroinabhängigen Mutter geliebt wurde. Sein Leben war stets von Rückschlägen, Sucht und Gewalt bestimmt – und doch sehnt er sich nach etwas Größerem, etwas, das ihn endlich ganz macht. Genau das glaubt er in Heather gefunden zu haben, genauer gesagt: in ihrem Tod. Mark registriert jedoch die Blicke, mit denen Bobby seine Tochter fixiert. Er wird nicht nur misstrauisch, sondern geradezu krank vor Sorge um das einzig Wertvolle, das er noch in seinem Leben hat. Für ihn besteht kein Zweifel: Er muss handeln, ehe es zu spät ist. Und so ist es die Liebe zu Heather, die beide Männer bis zum Äußersten treibt…

In den Fußstapfen von Cheever und Yates

Mad Men: Zumindest zum Titel von Matthew Weiners größtem Erfolg schließt sich hier der Kreis. Aber auch sonst gibt es durchaus Parallelen. Schon die Serie erinnerte oft an die Romane von Richard Yates oder John Cheever. Die Zeit der Handlung und das allgemeine Setting, die genau beobachteten, erbarmungslos sezierten Figuren und ihr Scheitern an sich selbst, auch die Gesellschaftskritik im Kleinen – all das weckte beim Schauen oft Erinnerungen an die literarischen Vorbilder. Alles über Heather ist zwar in der Gegenwart verankert, ansonsten aber ein im guten Sinne altmodischer Roman, der keinen Hehl aus seinen Inspirationsquellen macht. Die Beziehung zwischen Mark und Karen hätte trotz dezenter Verweise auf moderne Technik genauso von Yates beschrieben worden sein können, die Grundspannung erinnert nicht selten an Cheevers Die Lichter von Bullet Park (das erst kürzlich sehr schön bei Novellieren besprochen wurde).

Natürlich ist es wahr, was sie sagen: Die herausragenden Serien der letzten Jahre haben mehr mit Literatur zu tun als mit Kino, speisen sich aus denselben Vorbildern, Erzähltraditionen und Zitaten. Und genau deshalb sprechen sie auch dieselben Menschen an. Aber letzten Endes sollte es nicht um das Für und Wider von Serien oder Romanen gehen. Sondern darum, ob jemand eine gute Geschichte erzählen kann. Matthew Weiner jedenfalls kann es, egal in welchem Medium.


Matthew Weiner: Alles über Heather. Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben. Erschienen bei Rowohlt, 144 Seiten.

Die kleinen Leute. Über „Cold Spring Harbor“ von Richard Yates

Cold Spring Harbor von Richard Yates

Es gibt sie ja, diese One Trick Ponys in der Literatur: Während sich andere Autoren mit jedem Buch neu erfinden, drehen sich ihre Geschichten stets um dieselben Themen, leiten sich ihre Figuren stets als Variationen aus der eigenen Biographie ab. Egal, welche Bücher man von diesen Autoren aufschlägt, man fühlt sich in ihnen gleich zuhause. Im „Zuhause“ von Richard Yates begegnen wir immer wieder aufs Neue der Hölle des vielzitierten Anna-Karenina-Prinzips: Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.

Ein Chronist gescheiterter Lebensentwürfe – so nannte Birgit Böllinger ihre Rezension zu „Cold Spring Harbor“ auf Sätze & Schätze; treffender kann man das Lebenswerk von Richard Yates nicht zusammenfassen. All seinen Figuren gemein ist das Scheitern an der eigenen Hybris. Sie alle wollen ausbrechen: aus ihrem festgefahrenen Leben und einengenden Beziehungen, aus ihren vorgesehenen Rollen und den Grenzen kleinbürgerlicher Existenz. Sie erwarten mehr vom Leben als das, was ihnen in die Wiege gelegt wurde, fordern ein, was ihnen der Amerikanische Traum einst versprach. Doch keiner von ihnen kann aus seiner Haut: Immer sind es mangelnde Einsicht, Hochmut und die Unfähigkeit zur Selbstreflexion, die sie – mitunter leichtfertig – falsche Entscheidungen treffen lassen und ihre Ambitionen zu Fall bringen. Richard Yates seziert das Scheitern seiner Figuren mit geradezu spöttischer Nüchternheit. Er hat kein Erbarmen, kein Mitleid mit seinen Figuren – schließlich macht er sich vor allem selbst zur Zielscheibe seines Spotts. In seinen Augen ist er einer von ihnen: ein Verlierer.

Verlierer des Amerikanischen Traums

Obwohl ihn inzwischen viele Autoren der amerikanischen Gegenwartsliteratur als Vorbild nennen, blieb Yates der Erfolg zu Lebzeiten verwehrt. Im Scheitern seiner Figuren verhandelte er stets auch sein eigenes: Seine Erzählungen und Romane sind bevölkert von überambitionierten Künstlern und labilen Alkoholikern, deren Zusammenbrüche und Aufenthalte in geschlossenen Psychiatrien seinen eigenen Niedergang spiegeln. Besonders darum gelang ihm die Charakterisierung seiner Protagonisten so glaubwürdig und emphatisch wie nur wenigen anderen; Yates Figuren wirken vor allem deshalb wie aus dem Leben gegriffen, weil sie es sind. (mehr …)