Dezemberfieber

Buchtrailer und Videoleseprobe meines Romans „Dezemberfieber“

Gestern war für mich ein ganz besonderer Tag, auch und vielleicht sogar vor allem aufgrund der vielen positiven Resonanz auf die Bekanntgabe meiner Romanveröffentlichung. Weil mir noch immer ein bisschen die Worte fehlen, lasse ich heute ausnahmsweise mal die Bilder sprechen und zeige euch den – übrigens eigens erstellten – Buchtrailer sowie eine Videoleseprobe aus Dezemberfieber. Alleine vor einer Kamera auf einem Stapel Bücher zu lesen, ist eine recht merkwürdige Erfahrung – angesichts diverser Fehlversuche war es aber zumindest ein geduldiges Publikum… Den Romanauszug aus dem Video gibt es übrigens bei duotincta zum Nachlesen!

Viel Spaß beim Schauen!

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Mein Roman „Dezemberfieber“ erscheint bei duotincta!

Dezemberfieber-CoverLange habe ich darauf warten müssen, die Bombe platzen zu lassen, aber jetzt kann, jetzt muss es aus mir heraus: Mein Debütroman Dezemberfieber wird im Sommer/Herbst im Verlag duotincta veröffentlicht! Nach Jahren harter, aber dankbarer Arbeit kann ich es kaum erwarten, das Buch in den Händen zu halten und endlich gelesen zu werden – vorbestellen könnt ihr es ab sofort!

Die Veröffentlichung des Romans ist aber nicht nur für mich eine große Sache: Dezemberfieber ist Teil des ersten Belletristikprogramms von duotincta, einem ambitionierten neuen Verlag, dessen überaus gelungene Website erst gestern das Licht der Welt erblickt hat. Mit ihren frischen Ideen und ihrem Engagement für anspruchsvolle Literatur abseits des Mainstreams haben mich die Macher von duotincta – Jürgen Volk, Ansgar Köb und Michael Wallmeyer – schnell davon überzeugen können, dass Dezemberfieber bei ihnen in den richtigen Händen ist. Duotincta wird aber nicht nur eigene Bücher veröffentlichen, sondern sucht in einer Kooperative auch den Zusammenschluss mit anderen Indie-Verlagen und Buchhandlungen, um ein Gegengewicht zu Branchenriesen wie Amazon zu schaffen. Und als Blogger finde ich natürlich sehr sympathisch, dass duotincta diese auf der Website genauso ernst nimmt wie Vertreter der Presse.

Noch habe ich die Titel meiner neuen „Kollegen“ nicht lesen dürfen, bin auf deren Lektüre aber bereits wahnsinnig neugierig – ganz besonders auf Crystal. Klar., in dem Dominik Forster auf seine „Karriere“ als Crystal Meth-Junkie, Dealer und Sträfling zurückblickt. Die Leseprobe macht jedenfalls Lust auf mehr.

Aber keine Sorge: Auch wenn ich hier in Zukunft selbstverständlich dann und wann auf Dezemberfieber, mein Schreiben und duotincta zu sprechen komme, wird sich mein Blog weiterhin in erster Linie um Literatur und andere feuilletonistische Themen drehen: Die Auseinandersetzung mit Büchern und der Austausch mit anderen bibliophilen Bloggern bereiten mir nämlich viel zu viel Freunde, um hier bloß noch Eigenmarketing zu betreiben! Dennoch freue ich mich natürlich über jeden, der sich darüber hinaus auch für meine Herzensangelegenheit Dezemberfieber interessiert (und, wenn er denn mag, deren Facebook-Seite folgt)!

118 Gramm Schwermut.

trillophonKeine Frage, David Foster Wallace ist kein literarisches Leichtgewicht. Auch buchstäblich nicht: Sein Mammutroman „Unendlicher Spaß“ bringt in der Hardcover-Version ganze 1,48 kg auf die Waage und ist damit nicht nur inhaltlich alles andere als leichte Lektüre. „Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache“, Wallaces erste publizierte Kurzgeschichte aus dem Jahr 1984, bringt es dagegen gerade einmal auf magere 118 Gramm und wirft damit die Frage auf, ob der geringe Textumfang eine Veröffentlichung als eigenständiges Buch rechtfertigt.

Anstatt seine bislang in Deutschland unveröffentlichten Texte zu einem letzten Band zusammenzufassen, der die Vielfalt seines Wirkens und Könnens unter Beweis stellt, hat Kiepenheuer & Witsch ähnlich wie bei „Am Beispiel des Hummers“ oder „Das hier ist Wasser“ einen relativ kurzen Text mit kinderbuchgerechtem Schriftbild und einer nur für wenige Leser interessanten Englischfassung unverhältnismäßig aufgeblasen, um auch noch die letzten Krümel von Wallace als Kuchen zu verkaufen. Brauchte man für die unzähligen Fußnoten seines wichtigsten Romans beinahe eine Lupe, ließe sich dieses Büchlein auch mit ausgestrecktem Arm noch gut lesen. Von meiner Oma. Einzelgeschichten oder Essays wie eine Single zu veröffentlichen, ist nur dann eine gute Idee, wenn Inhalt und Preis in einem fairen Verhältnis zueinander stehen. Sechs Euro für eine bestenfalls zwanzigminütige Lektüre stehen jedoch weder in Relation zu den 17,99 € für 1552 Seiten unendlichen Spaßes noch zur Preisentwicklung auf dem E-Book-Markt; die digitale Variante der Kurzgeschichte ist großzügigerweise um einen ganzen Eurocent günstiger und damit fast ein Schnäppchen – zumindest für diejenigen, die ihre Kugelschreiber gerne im Ein-Euro-Shop kaufen. Einzeln, versteht sich.

Diese Veröffentlichung ist leider symptomatisch für vieles, das derzeit bei den etablierten Verlagshäusern falsch läuft. Dass ich mich trotzdem für dumm verkaufen ließ, hat drei Gründe. Zum einen hat mich David Foster Wallace in „Unendlicher Spaß“ so stark beeindruckt wie kein Autor zuvor; er hat die Messlatte für mich nicht einfach bloß höher gehängt, sondern geradezu die Skala gesprengt. Zum anderen freue ich mich, wenn die herausragende Arbeit seines sympathischen Übersetzers Ulrich Blumenbach gewürdigt wird. Zu guter Letzt hat mich auch das Thema von „Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache“ gereizt: Depressionen spielen auch in Dezemberfieber eine zentrale Rolle. Während in meinem Roman die Krankheit einem Menschen die Sprache raubt und mit ihr seine Persönlichkeit, sucht Wallace genau dort sein Heil: Im Ringen um Worte für das Unaussprechliche will er seine Depressionen mit offenem Visier bekämpfen. Schon in seinem opus magnum hat David Foster Wallace das Wesen seelischer Krankheiten so schmerzhaft präzise auf den Punkt gebracht wie kaum ein anderer. Nirgends schrieb Wallace so offen über seine persönlichen Abgründe wie in „Unendlicher Spaß“ – außer eben in jener ersten Kurzgeschichte, die er mit 22 im „The Amherst Review“ veröffentlichte und die kaum chiffriert seine eigene Krankengeschichte beschreibt. In „Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache“ begegnen wir Wallace als jungem Autor, der seinen einzigartigen Stil noch lange nicht gefunden hat. Dennoch ist in dieser frühen Kurzgeschichte bereits viel von dem zu finden, was Wallace knapp zehn Jahre später zu einem der brillantesten Schriftsteller seine Generation machte: Man bekommt eine erste Ahnung von der Präzision und dem tieftraurigen Humor, mit denen er seinen Schmerz zu sezieren versucht, wenn auch noch nicht mit derselben Meisterschaft wie in „Unendlicher Spaß“.

Gerade jetzt, wo Depressionen nach dem Absturz der Gemanwings-Maschine dank aufgepeitschter Medienberichterstattung wieder zum gesellschaftlichen Stigma zu werden drohen, ist diese Kurzgeschichte eigentlich eine lohnenswerte Lektüre; eine treffendere Beschreibung dieser Krankheit habe ich bislang nicht gelesen. Wenn ich jedoch anfinge, hier aus dem Text zu zitieren, stünde vermutlich bald das halbe Büchlein in diesem Eintrag. Einen guten Eindruck findet man dagegen in der aktuellen Ausgabe vom Spiegel, in dem das Filetstück des Textes abgedruckt wurde. Für schlappe 4,60 € bekommt man obendrein 136 weitere Seiten mit mehr oder weniger lesenswerten Artikeln und vielen bunten Bildern, darunter auch eines mit sechs niedlichen Hasen; die verbleibenden 1,40 € lassen sich bei diesem schönen Frühlingswetter in anderthalb Kugeln Eis investieren – da stimmt dann auch das Preis-/Leistungsverhältnis. Schade eigentlich.

1000 Tode schreiben – und lesen!

1000todeObwohl sich mein Blog aufgrund des zeitfressenden Feinschliffs an Dezemberfieber momentan (leider!) noch in Zwangspause befindet, melde ich mich aus aktuellem Anlass nun doch mal wieder zu Wort: Morgen erscheint Version 3 (von 4) der fortlaufenden Textsammlung „1000 Tode schreiben“. In dem so ehrgeizigen wie interessanten E-Book-Projekt des Frohmann Verlags (den ich diesem Artikel sträflicherweise nicht erwähnt habe) sollen sich 1000 Menschen in ebenso vielen Beiträgen mit dem Thema Tod auseinandersetzen. Die bislang 350 kurzen Texte sind so unterschiedlich und abwechslungsreich wie ihre Autoren: Menschen, die privat oder beruflich mit dem Thema zu tun haben, schreiben gleichberechtigt neben Bloggern und gestandenen Schriftstellern wie Clemens Setz, Jan Fischer oder Daniela Seel. Auch ich durfte einen Text zu dem Projekt beisteuern; im kommenden Update von „1000 Tode schreiben“ befindet sich an 322. Stelle ein Auszug meines Romans Dezemberfieber, in dem der Verlust eines geliebten Menschen die Welt seiner Angehörigen sprichwörtlich aus dem Gleichgewicht bringt. Zur nächsten Version von „1000 Tode schreiben“ stelle ich das Projekt inhaltlich noch einmal genauer vor und veröffentliche in diesem Zuge dann auch meinen Beitrag auf dem Blog.

Für die 4. Version, die zur Leipziger Buchmesse erscheinen soll, nimmt die Herausgeberin Christiane Frohmann – die das Projekt mit geradezu heldenhaftem Einsatz beinahe im Alleingang stemmt – noch bis zum 1. März Texte an (weitere Infos hier). Mit dem Kauf muss man bis dahin jedoch nicht warten: Bei jedem Update bekommt man die aktuelle Version des E-Books per Mail geschickt. Die 4,99 € – zum Beispiel im Store von Minimore – sind nicht nur aufgrund der schieren Masse und Vielfalt an Texten gut angelegt: Da der gesamte Autoren- und Herausgeberanteil ans Kindersterbehospiz Sonnenhof in Berlin­‐Pankow gespendet wird, unterstützt man obendrein auch eine gute Sache!

Tsunami-Gedenktag. Auszug aus „Dezemberfieber“

„Noch warten alle auf die Dunkelheit und darauf, dass einer den Anfang macht. Bis vor wenigen Minuten warf der Himmel noch Pastellfarben aufs Meer, übergießt es aber schon bald mit schwarzem, im Mondlicht glänzendem Lack. […] Der Strand ist voller Menschen; eine Menge Touristen, vor allem aber Thais. Einige stehen allein am Wasser, manche in kleinen Gruppen. Aus Respekt halten alle Abstand zueinander. Neben Bastian bereitet ein Paar mit einem Säugling schweigend ihre Laterne vor. Er fragt sich, um wen sie wohl trauern. Vielleicht haben sie beim Tsunami ihre Partner verloren, vielleicht Freunde oder Eltern, vielleicht sogar ihr Erstgeborenes. Als der Mann den Lampion am Gerippe aus dünnem Bambusspan anhebt, knistert das Papier leise im Wind. Das Baby noch im Arm, kniet sich die Frau in den Sand, wartet mit dem Anzünden der Fackel aber, bis über dem Wasser das erste Leuchten zu sehen ist. Kurz darauf steigen hunderte Laternen auf einmal lautlos in die Dunkelheit auf. Auch die Frau zündet ihren Lampion jetzt an, der sich sich von der heißen Luft sofort aufbläht. Gemeinsam mit dem Mann hält sie ihn einen Augenblick lang fest, dann lassen sie gleichzeitig los. […] Schnell füllen die Laternen beinahe den ganzen Nachthimmel aus; sie schweben aufs Meer hinaus und neigen sich im Wind. Ein paar von ihnen drohen nach einer leichten Böe fast zu kippen und fallen zurück, holen die anderen Lampions jedoch bald wieder ein und schießen dann schief an ihnen vorbei. Schon nach wenigen Minuten bilden sie nur noch kleine Leuchtpunkte über der Andamanensee, bis sich ihre Spuren allmählich am Horizont verlieren.“

Neue Veröffentlichung: Die Novelle Nr. 4

141019 rgb_4_perfekteplaneten_coverIch freue mich: Mein Text „Den Horizont vergessen“ – ein Auszug aus „Dezemberfieber“ – hat es in die vierte Ausgabe von Die Novelle – Zeitschrift für Experimentelles geschafft! Bislang hatte ich noch kein Heft der Kollegen aus Bonn in der Hand, bin aber schon sehr gespannt auf das Belegexemplar. Das Cover der Ausgabe – unter dem Motto: Perfekte Planeten – kann sich jedenfalls schon mal sehen lassen! In Kürze dürfte die Zeitschrift bei Amazon erhältlich sein.

Update 3. Januar 2015: Ab heute lässt das Heft hier bestellen.