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Lesungen im Frühjahr

fullsizerenderEs ist ein bisschen her, seit ich zuletzt aus Dezemberfieber gelesen habe – umso größer ist die Vorfreude auf das kommende Wochenende. Am Samstag stelle ich in der Alten Büdnerei Kühlungsborn meinen Debütroman vor und freue mich auf ein durch und durch literarisches Wochenende, an dem ich schreiben, lesen und endlich auch wieder vorlesen darf. Ein schöneres Rahmenprogramm für eine Lesung kann man sich nicht wünschen: ein ganzes Wochenende am Meer mit ein wenig Zeit für Einkehr, den neuen Auster und 200 zu überarbeitende Manuskriptseiten. Vielen Dank für die Einladung!

Und wem die Anreise zur Ostsee zu weit ist: Auch bei Leipzig liest gibt es zwei Gelegenheiten, mir zuzuhören. Am Donnerstag, dem 23.3. lese ich gemeinsam mit 11 Autor*innen aus den Verlagen duotincta und homunculus im Beyerhaus. Ein Termin, den sich besonders Blogger notieren sollten: Im Rahmen der Veranstaltung findet auch die Buchpremiere zu Warum ich lese statt – mit den Texten von 40 deutschsprachigen Buchbloggern, die dem Aufruf von Sandro Abbate folgten und darin ihren Weg zur Literatur schildern. Auf der Messe selbst lese ich am Freitag um 12:30 am Stand von duotincta (Halle 5, Stand G203) – und werde mit kratziger Stimme vermutlich ein mahnendes Beispiel für zu lange Buchmessennächte sein… Ich freue mich auf alle drei Termine und viele interessierte Zuhörer!

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„He is full of despair.“ Über Benjamin von Stuckrad-Barres „Panikherz“

stuckiDamals in den Neunzigern war Benjamin von Stuckrad-Barre meine erste Lesung – und hat mich für alle darauffolgenden ein bisschen versaut: was für eine Show! Sein Debüt Soloalbum fand ich zwar amüsant, aber zu stark an die Bücher von Nick Hornby & Co angelehnt – stereotypische Popliteratur ohne großen Mehrwert. Auf der Bühne riss Stuckrad-Barre dagegen ein Feuerwerk ab: eine absolute Rampensau, schnell wie Schmidt und unberechenbar wie Kaufman. Das war keine Lesung, sondern Rock’n Roll! Trotzdem wusste ich nicht, was mich erwarten würde, als ich ihn im April 2016 im Theaterhaus Stuttgart zum zweiten Mal sah. Zwischen beiden Lesungen lagen fast zwanzig Jahre und soviel Rock’n Roll, dass es an ein Wunder grenzt, diesen Mann wieder live auf der Bühne zu sehen. Nach der Lektüre von Panikherz sah ich ihn plötzlich mit anderen Augen: Mit derselben gnadenlosen Scharfsicht, mit der er andere in seinen Texten seziert, schreibt Stuckrad-Barre in seiner Autobiografie über seinen Absturz in Kokainsucht und Bulimie. Verstörend offen, aber nicht ohne Humor erzählt Panikherz vom Wahnsinn seiner verlorenen Jahre und der späten Rettung in den zweiten Akt seines Lebens – die er zum Teil ausgerechnet seinem Kindheitsidol Udo Lindenberg zu verdanken hat.

Wie lässt sich ein so erschütterndes, manchmal gar demütiges Buch mit der öffentlichen Person, der Rampensau Stuckrad-Barre, vereinbaren? Die Antwort ließ auf der Lesung nicht lange auf sich warten: gar nicht. „Stuckiman“ bot im Theaterhaus genau das, was man von ihm auf der Bühne erwartet – ein Comedyprogramm für Menschen, die Comedyprogramme hassen, irgendwo zwischen Latenight und Personality Show. Aus Panikherz las er vornehmlich die lustigen Passagen, in Erinnerung blieben aber vor allem Showeinlagen wie der T-Shirttausch mit einem RTL-Redakteur und sein Crowdsurfing über die Ränge. Benjamin von Stuckrad-Barre hat das Publikum, mich eingerechnet, an diesem Abend bestens unterhalten – seinem Buch wurde er dabei allerdings nicht gerecht.

Keine Frage: Oft liest sich „Panikherz“ wie ein typischer Stuckrad-Barre und ist dank gewohnt präziser Beobachtungen so selbstgerecht wie witzig. Wie er sich nach der behüteten Kindheit in einer Pastorenfamilie und seiner Schulzeit als Loser fintenreich und hakenschlagend zum Shooting Star der Popliteratur mausert, ist klassischer Coming of Age-Stoff und durchaus unterhaltsam; in seinen stärksten Momenten ist Panikherz aber ein düsteres und hartes Buch. Wenn Stuckrad-Barre über seine körperliche, auch geistige Verwahrlosung durch Bulimie und Kokainsucht schreibt, über seine Entzüge und Abstürze, sein Leben in vermüllten Wohnungen und Hotelzimmern, ist seine Autobiografie so schonungslos ehrlich, dass es weh tut. (mehr …)

Notizen 6/16

Dezemberfieber-CoverLeider habe ich noch immer keine Zeit und Muße für eine neue Rezension gefunden – andere bloggen zum Glück deutlich regelmäßiger als ich. So zum Beispiel Constanze Matthes auf Zeichen und Zeiten, der ich eine wunderbare neue Rezension zu Dezemberfieber verdanke: Ein Erstling, der es vermag, den Leser sowohl eng an die Handlung und den Helden zu binden, den man manchmal ob seines abgedrehten Verhaltens einfach mal durchschütteln möchte. Eindrucksvoll gelingt es Frank O. Rudkoffsky zudem, sowohl die Gegensätze, die Stimmung und Reize des asiatischen Landes zu beschreiben, als auch detail- und bilderreich Szenen auszugestalten. Großer Verdienst des Buches ist es allerdings auch, die Aufmerksamkeit auf die Krankheit Depression zu richten. Ein Thema, das in der Öffentlichkeit noch längst nicht angekommen ist und noch immer nicht offen debattiert werden kann. (Hier entlang zu weiteren Stimmen zum Roman.)

Dem Thema Depressionen hat sich unlängst auch Karla Paul auf Buchkolumne gewidmet. In ihrer Literaturliste durch die Dunkelheit, in der sie Romane und Sachbücher über die Krankheit zusammengestellt hat, fand dankenswerterweise auch Dezemberfieber Platz. Eine wichtige und gute Liste, die in Zukunft noch erweitert werden soll. Einen der dort genannten Romane – Olivier Adams An den Rändern der Welt – werde ich in Kürze auch auf meinem Blog vorstellen. Auf das Buch gestoßen bin ich übrigens dank einer sehr schönen Rezension bei Kaffeehaussitzer! Auch in der Liste: Der Planet Trillaphon in seinem Verhältnis zur üblen Sache von David Foster Wallace, das ich im vergangenen Frühjahr besprochen habe.

trashpool7Neues gibt es auch zu ]trash[pool: Auf Logbuch Suhrkamp, dem Blog des Suhrkamp Verlags, werden seit kurzem regelmäßig Literaturzeitschriften vorgestellt – da durften wir natürlich nicht fehlen! In unserem Porträt erzählen wir ein bisschen aus dem Nähkästchen und umreißen nicht nur unser Profil, sondern schildern auch, wie unsere Textauswahl zustande kommt. Vielen Dank an die Redaktion, dass wir uns im Rahmen dieser schönen Reihe vorstellen durften!

Zu guter Letzt noch ein Veranstaltungshinweis: Am Donnerstag, dem 23. Juni, lese ich gemeinsam mit den Autoren Daniel Breuer (duotincta) und Matthias Hirth (Voland & Quist) in Berlin. Mehr Infos zur Lesung im Klub der Republik findet Ihr hier – über ein ein paar bekannte Gesichter im Publikum würde ich mich sehr freuen!

duotincta bei „Leipzig liest“

duotincta-lesenachtDie Einschläge in Sachen Leipziger Buchmesse werden immer dichter, besonders heute: Mittags hatte ich meine Akkreditierung als Blogger im Briefkasten, abends die Ankündigung zur duotincta-Lesenacht im Mailfach: Am 17.3. lese ich im Rahmen von Leipzig liest gemeinsam mit allen Autoren und Autorinnen des Verlags im Beyerhaus! Ab 19:00 stellen Dominik Forster, Stefanie Schleemilch, Birgit Rabisch, Daniel Breuer, Wolfgang Eicher und ich unsere aktuellen Romane vor; durch den Abend führt Elia van Scirouvsky (Moderator der Lesereihe Der durstige Pegasus). Kommt zahlreich und bleibt: Anschließend wird im Gewölbekeller gefeiert!

PS: Egal, wie lang die Nacht wird: Ich freue mich schon sehr auf das inoffizielle Bloggertreffen von Papiergeflüster am nächsten Tag (auf dem ich notfalls als mahnendes Beispiel für ungesunden Lebenswandel aufkreuze) – hoffentlich mit vielen bekannten Gesichtern!

Dezemberfieber: Leserunde bei LovelyBooks

Bildschirmfoto 2015-10-05 um 21.14.22Ehe hier auf meinem Blog bald wieder ein bisschen Normalität einkehrt und ich endlich Zeit finde, mal wieder einen Roman zu besprechen (Pippa Goldschmidts „Weiter als der Himmel“ übrigens), reicht es heute leider bloß zu einem Hinweis in eigener Sache: Bis einschließlich Mittwoch Abend könnt ihr euch für meine Leserunde zu „Dezemberfieber“ bei LovelyBooks bewerben – es werden zehn Exemplare verlost!

Ich bin sehr gespannt auf die Erfahrung, mich gemeinsam mit Lesern beim social reading über meinen Roman auszutauschen und hoffe auf interessante Gespräche und Diskussionen, wenn es nach der Buchmesse in der Gruppe losgeht!

Auch zwei neue Lesungstermine darf ich inzwischen verkünden: Auf die liebe Einladung des Blogs Angelika liest lese ich am 27.10. in Angelikas Büchergarten in Ruppichteroth und freue mich darauf, Angelika dort persönlich zu ihrem wahr gemachten Lebenstraum zu gratulieren! Am Tag darauf darf ich in der so schönen wie renommierten Bernstein-Verlagsbuchhandlung in Siegburg lesen – und zwar vor so illustren Gästen wie Sven Heuchert, dessen großartigen Erzählband „Asche“ ich hier bereits vor kurzem vorgestellt habe. Alle weiteren Termine gibt es hier!