Neue Ausschreibung

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Ab sofort suchen wir Beiträge für die 7. Ausgabe unserer Literatur- und Kunstzeitschrift ]trash[pool – schickt uns eure Texte und Bilder samt Vita einfach bis zum 28.2. an redaktion@trashpool.net! Mehr Infos zur Ausschreibung findet ihr hier. Wir freuen uns auf eure Einsendungen!

Die Stille nach dem Urknall. Über „Weiter als der Himmel“ von Pippa Goldschmidt

weiteralsderhimmelNicht selten ist ein Buch, nachdem man es zur Seite gelegt hat, fast vergessen, sobald man sich das nächste zur Hand nimmt. Manche dagegen lassen einen nicht los: Pippa Goldschmidts Roman „Weiter als der Himmel“ las ich bereits im Sommer, fand seither aber einfach keine Zeit, eine Rezension zu schreiben. Doch obwohl ich inzwischen viele andere Bücher gelesen habe, wollte ich meinen Blog mit gerade diesem aus dem Winterschlaf wecken. Aufgrund nur vager Erinnerungen und inzwischen kryptischer Notizen musste ich, um mein Gedächtnis aufzufrischen, den Roman noch einmal querlesen – und näherte mich damit ganz automatisch seinem Kernthema an: dem Versuch, eine Verbindung zu etwas Vergangenem herzustellen.

Eine traumatisierte Familie

Eigentlich läuft alles bestens für Jeanette. Als frisch promovierte Astronomin hat sie die Weichen für ihre Zukunft gestellt und kann endlich entkommen: „Dem Zuhause, der Depression des Sofas, dem radioaktiven Leuchten des Fernsehers, dem außerirdischen Vakuum im Haus und der Zigarettenasche, die auf alles niederrieselt wie Erde auf einen Sarg.“ Trotzdem lässt sie die Vergangenheit nicht los. Ein tragischer Unfall aus ihrer Kindheit wirft einen Schatten, aus dem Jeanette noch immer nicht heraustreten kann: „Im Sommer, in dem Jeanette zehn Jahre alt ist, explodiert ihr Zuhause. Ein heftiger Blitz fegt durch alle Räume, entzieht ihnen Luft und Geräusche und Farben, macht alles blendend weiß, makellos still.“ Seit dem Ertrinken ihrer großen Schwester Kate, als Schwimmwunderkind der ganze Stolz ihrer Eltern, driftet die traumatisierte Familie auseinander wie nach einem Urknall. Es entsteht ein kaltes neues Universum mit scheinbar unumstößlichen Naturgesetzen: ein expandierendes Weltall ohne Schall, in dem niemand mehr über Kate spricht und sich alle immer weiter voneinander entfernen. Das jahrelange Schweigen fordert seinen Tribut: Die Schwerkraft der unterdrückten Trauer lässt Jeanettes Mutter in eine Depression versinken, während ihr Vater nach einem selbstverursachten Brandunfall aus der familieneigenen Umlaufbahn geschleudert wird und heimlich seinen Seelenfrieden in den Armen einer anderen Frau sucht. Jeanette hadert hingegen mit ihrem Minderwertigkeitsgefühl gegenüber der von allen bewunderten Schwester, die selbst im Tod, selbst im Schweigen noch immer im Mittelpunkt der Familie steht.

Auf der Suche nach Verbundenheit

Auch als promovierte Astronomin muss Jeanette um Wahrnehmung kämpfen. Als eine der wenigen Frauen des Wissenschaftsbetriebs ist sie einem harten Konkurrenzkampf und herablassendem Sexismus ausgesetzt. Umso größer ist die Aufregung über ihre Entdeckung zweier Galaxien, die – entgegen der Gesetze der Standard-Urknalltheorie – miteinander verbunden zu sein scheinen. Weil Jeanettes Daten eindeutig sind, hält sie allen Widerständen zum Trotz an ihnen fest. Ein Affront: Ihre Entdeckung stellt schließlich nicht nur die gängige Lehrmeinung in Frage, sondern auch ein System, das von alten Männern und speichelleckenden Karrieristen verteidigt wird. Aufgrund ihrer Entdeckung erlebt Jeanette beruflich eine Berg- und Talfahrt, die sich auch im Privaten spiegelt. Zu Beginn des Romans herrscht in Jeanettes Leben noch gähnende Leere; von ihren Eltern entfremdet, wahrt sie auch zu ihren Mitmenschen zumeist Distanz und versteckt sich hinter nüchternem Sarkasmus. Dann lässt Jeanette jedoch erstmals seit Jahren Nähe zu und verliebt sich trotz Bindungsangst in ihre langjährige Freundin Paula – wohlwissend um das Risiko einer amour fou, die sie noch weiter aus der Bahn werfen könnte. (mehr …)

Out now: Willkommen! Blogger schreiben für Flüchtlinge

Cover - Willkommen! Blogger schreiben für Flüchtlinge

ISBN 978-3-944543-28-4

Schon mehrfach habe ich in meinem Blog über die Vorteile des digitalen Verlegens geschrieben, allen voran die Möglichkeit, schnell auf aktuelle Themen und Debatten zu reagieren. Mit Willkommen. Blogger schreiben für Flüchtlinge ist heute bei Mikrotext ein E-Book erschienen, das hinter diese These ein Ausrufezeichen setzt. Kein Thema bewegt uns derzeit mehr als die vielen Menschen, die sich auf den weiten Weg gemacht haben, auf der Flucht vor Krieg, Armut, Krankheit, Folter, Hunger, Tod. Im Zuge der Spendeninitiative #bloggerfuerfluechtlinge haben sich in den vergangenen Monaten so viele Menschen in Wort und Tat für Flüchtlinge engagiert, dass Caterina Kirsten von Schöne Seiten mit ihrer Idee, die besten Texte unter diesem Hashtag in einem E-Book zu veröffentlichen, bei Nikola Richter von Mikrotext sofort auf offene Ohren stieß. Mit Katharina Gerhardt, Ariane Novel, Eva Siegmund und mir fanden sich schnell genügend Mitstreiter, um dieses ehrenamtliche Projekt in ehrgeizig kurzer Zeit auf die Beine zu stellen.

Drei Monate lang haben wir Texte gesichtet, gesammelt und diskutiert. Wir wollten Vielfalt. Und wir wollten Qualität. Von Anfang an war es uns wichtig, ein differenziertes und breites Bild aufzuzeigen, das sich nicht nur auf die Situation der letzten Monate beschränkt, sondern diese auch in einen historischen Kontext setzt. Und obwohl wir uns manchmal ein gemeinsames Großraumbüro mit Kaffeemaschine und Keksdose gewünscht hätten, haben wir uns im digitalen Raum zwischen Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart, München und Barcelona kennen, schätzen und mögen gelernt – und eine Anthologie zusammengestellt, auf die wir alle stolz sind.

Die Geschichten, Meinungen und Statusmeldungen, die in diesem E-Book versammelt sind, öffnen dem Leser die Augen, jede auf ihre Art. 54 persönliche Texte – so unterschiedlich wie die Menschen, die sie geschrieben haben – erzählen von Flucht und Flüchtlingshilfe, erzählen von Menschen, die damals wie heute auf die Hilfsbereitschaft anderer angewiesen waren und sind.

Da ist der Münchner Karim Hamed, der in einem Auffanglager auf Arabisch mit den Menschen spricht und uns ihre Gedanken lesen lässt. Da ist die österreichische Kultautorin Stefanie Sargnagel, die böse, aber hochkritisch ihren Blick auf die linke Gutmenschenriege knallen lässt. Da ist die erfolgreiche Sängerin Sarah Connor, die eine syrische Mutter mit fünf Kindern aufnimmt. Und da ist die Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg, die von ihren Flüchtlingsvorfahren erzählt. Ein Vater mit Papablog schreibt einen rührenden Brief an sein Kind über die eigene Flucht aus der DDR, eine österreichische Modebloggerin einen verzweifelten Brief an ihre Regierung. Ein Reporter schleicht sich undercover in Europas größtes Flüchtlingscamp, und ein Lesern meines Blogs nicht ganz unbekannter syrischer Flüchtling – Aboud Saeed – erzählt gewohnt launig von seinem neuen Leben in Berlin. Auch Literaturblogger kommen natürlich zu Wort: Uwe Kalkowski, Ilja Regier und Tania Folaji lassen uns an den Flüchtlingsschicksalen ihrer eigenen Familie teilhaben und ziehen daraus ihre Schlüsse.

Das E-Book soll aber nicht Beweis einer neuen Willkommenskultur sein und ein klares Zeichen setzen, dass die Hetzer in Deutschland nicht in der Mehrheit sind und Menschen in der Not bei uns willkommen. Es soll auch einen Beitrag leisten: Sämtliche Erlöse werden zugunsten der Initiative #bloggerfuerfluechtlinge gespendet. Mehr Informationen und Leseproben aus den Texten gibt es bei Mikrotext. Doch am besten kauft ihr es ohne Umwege gleich für 4,99 € in einem E-Book-Store eurer Wahl, zum Beispiel bei Minimore!

PS: Frei nach Steve Jobs gäbe es da noch one more thing: Wenn ihr ohnehin schon beim gut sortierten Minimore vorbeischaut, könnt ihr gleich auch eine Digitalausgabe von ]trash[pool in den Einkaufswagen legen – ab sofort sind dort die Ausgaben 4-6 als Digitalversion sowie mein Roman Dezemberfieber erhältlich!


Update (10.1.2016): Inzwischen wurde das E-Book nicht nur auf einigen Blogs vorgestellt, sondern auch im Börsenblatt und der F.A.Z.!

Was bisher geschah… und wie es weitergeht!

Ich geb’s ja zu: Seit der Veröffentlichung von Dezemberfieber läuft mein Blog – sehr zu meinem Leidwesen – ein wenig auf Sparflamme. Denn obwohl ich eine halbfertige Rezension in der Schublade habe und mir der grandiose neue Franzen unter den Nägeln brennt, komme ich momentan kaum zum Lesen und Schreiben. Zum Glück geht es nicht allen so: Die ersten Stimmen zu meinem Debütroman haben mich wirklich überwältigt! Auch die bisherigen Rezensionen bei Amazon und LovelyBooks sind mehr als positiv. All die Zeit am Schreibtisch, das mehrmalige Ruhenlassen und Überarbeiten des Manuskripts, der lange und oft frustrierend steinige Weg bis zur Veröffentlichung – vielleicht war es all das ja wirklich wert! Und damit so viele Menschen wie möglich Dezemberfieber lesen können, erscheint der Roman nun endlich auch als E-Book: schon jetzt DRM-frei und zum für digitale Literatur angemessenen Preis von 5,99 € bei duotincta sowie im Laufe der nächsten Woche in den Stores.

1000tode-lesungIn den letzten Wochen ist soviel passiert, dass ich – sobald zum Jahresende ein wenig Ruhe einkehrt – einige Tage brauchen werde, um all die vielen Eindrücke endlich einmal sacken zu lassen. Da waren die fantastischen Tage, die ich gemeinsam mit der duotincta-Familie auf der Frankfurter Buchmesse verbrachte: Ich habe nicht nur einige (wenn auch zu wenige) liebe Autoren- und BloggerkollegInnen getroffen und spannende Veranstaltungen besucht, sondern durfte im Rahmen der äußerst bewegenden #1000 Tode-Lesung im Orbanism Space auch einen Auszug aus Dezemberfieber vortragen – ein ganz persönliches Highlight, das es hier zum Nachhören gibt.

image6Und dann waren da die Lesungen in Essen, Ruppichteroth, Nordenham und Tübingen, die dank wunderbarer Gastgeber und aufmerksamer Zuhörer bislang stets etwas Besonderes für mich waren. Gemeinsam mit meiner duotincta-Kollegin Stefanie Schleemilch gab ich vor unserem Auftritt in Tübingen auch ein ausführliches Radiointerview samt kurzer Lesungen aus unseren Romanen. Zum Glück ist mein Leseherbst noch lange nicht vorbei: Am Freitag findet mein Heimspiel beim Lit.Quartier in Stuttgart statt, und im Dezember lese ich nicht nur ein zweites Mal in Tübingen, sondern auch im Rahmen der bekannten Leipziger Lesereihe Der durstige Pegasus sowie im Internationalen Studienzentrum in Berlin. Für 2016 sind natürlich weitere Termine in Planung.

Cover - Willkommen! Blogger schreiben für Flüchtlinge

ISBN 978-3-944543-28-4

Zuvor steht aber erst einmal eine Veröffentlichung an, die mir eine Menge bedeutet: Anfang Dezember erscheint bei Mikrotext die Textsammlung Willkommen. Blogger schreiben für Flüchtlinge, die ich gemeinsam mit Katharina Gerhardt, Caterina Kirsten, Ariane Novel, Nikola Richter und Eva Siegmund herausgebe. Für das E-Book, dessen Erlöse der Initiative #bloggerfuerfluechtlinge gespendet werden, haben wir die besten und persönlichsten Texte von Bloggern zusammengestellt, die sich in den vergangenen Monaten in Tat und Wort für Flüchtlinge engagiert haben. Seit den entsetzlichen Anschlägen in Paris ist dieses Buch vielleicht sogar noch wichtiger geworden als es ohnehin schon war: Viele Menschen fliehen derzeit vor genau dem, was am Freitag in Paris geschehen ist. Umso wichtiger ist es, sich nun mit eben diesen Menschen zu solidarisieren. Das E-Book soll eine Sichtbarmachung dieser Solidarität sein, ein deutliches Zeichen, dass die Hetzer nicht die Mehrheit sind – und Menschen in der Not bei uns willkommen.

Vorbestellen könnt ihr das E-Book schon jetzt. Mehr zu den großartigen und wichtigen Texten, die wir auswählen durften, in Kürze!

]trash[pool-Interview mit Sandra Gugić (Auszug)

astronautenAnfang 2015 erschien Sandra Gugićs viel beachteter Debütroman ASTRONAUTEN bei C.H. Beck. In der aktuellen Ausgabe von ]trash[pool spricht die Open Mike-Gewinnerin von 2012 mit uns über ihre literarische Arbeit.


Liebe Sandra, dieses Interview soll Einblicke in den Entstehungsprozess literarischer Werke, die Textproduktion und Schreibwerkstatt ermöglichen. Darum möchte ich dir gerne einige Fragen zu deiner Schreib- und Arbeitspraxis stellen: Wann schreibst du?

Ruhige Tageszeiten eignen sich natürlich besonders. Zum Beispiel ganz früh morgens, wenn die Gedanken klar sind und noch keine Anrufe und E-Mails eingehen. Ich schreibe gern von spät abends bis zum Sonnenaufgang, das hat einen Reiz, ist aber weder besonders sozial noch gesund. Wenn mir nach langen Tagen in meiner Schreibhöhle/hölle die Decke auf den Kopf fällt, schätze ich auch Lärm und Trubel, ich ziehe eine belebte Umgebung vor, um Notizen und Ideen zu sammeln.

Wo schreibst du?

Notizen mache ich gern auf Reisen, im Flugzeug, in Transiträumen; unterwegs sein und neue Eindrücke aufnehmen schärft meinen Blick, wirft die Gedankenmaschine an. Im Zug klappt manchmal sogar die Feinarbeit. Manchmal schreibe ich in Cafés, wenn es mich nach draußen drängt, und ich den Geräuschteppich fremder Gesprächsfetzen als Backgroundrauschen haben will. Dann wieder brauche ich Stille und die Ruhe meines Arbeitszimmers.

Wie schreibst du, also welche Utensilien verwendest du, arbeitest du eher chaotisch oder strukturiert, denkst du lieber lange nach, bevor du eine Phrase formulierst, und schreibst du eher flüssig und korrigierst dich fortwährend?

Chaos und Struktur haben eigentlich viele Gemeinsamkeiten. Ich tendiere beim Material sammeln und in der ersten Arbeitsphase mehr zum Chaos, aus dem in den nächsten Arbeitsschritten Ordnung und Struktur geschaffen werden muss: kill your darlings usw. Bei den ASTRONAUTEN habe ich lange Zeit Material gesammelt und an jeder der Figuren geschrieben, die Texte immer wieder überarbeitet und verdichtet. Ich schreibe eine erste Version oft in Fragmenten, manchmal geht mir diese erste Version leicht von der Hand, aber eigentlich bin ich keine Schnellschreiberin. Bis zur endgültigen Fassung eines Textes ist es ein langer Weg. Die ASTRONAUTEN haben sich im Schreiben nach und nach vervollständigt, eigene Stimmen bekommen und auch ein Eigenleben entwickelt, dem ich dann folgen musste. Beim Schreiben denke ich stark in Bildern. Auch meine Notizen setzen sich teils aus Fotografien, Schnappschüssen zusammen. Manchmal ist das Bild so klar, dass ein Textteil wie von selbst entsteht. Aber meist ist es viel Arbeit. Wenn ich ausreichend Material beisammen habe, arbeite ich auch analog, in einer Art Cut-up Technik, bei der ich zum Beispiel einen fertigen Text ausdrucke, auf dem Boden meines Arbeitszimmers und allen verfügbaren freien Ablagen auflege, eine Weile betrachte, durchdenke, dann zerschneide, neu sortiere und quasi puzzle, neue Übergänge auf Notizzettel und Post-its kritzele. Oder ich arrangiere Textfragmente so lange und schreibe auch hier Übergänge etc., bis sich ein anderer oder für mich fertiger Text- und Sinnzusammenhang ergibt. Zadie Smith unterteilt in Changing My Mind: Occasional Essays Autor/inn/en in Macro Planner und Micro Manager, ich denke ja, zwei Kategorien reichen unmöglich und müsste ich zwischen diesen Schubladen wählen, würde ich in keine von beiden passen. Aber Zadie Smith ist nichtsdestotrotz eine großartige Autorin.

Machst du einen Unterschied zwischen digitalem und ausgedrucktem Text?

Auf Papier gedruckten Text lese ich anders, genauer, er fühlt sich realer an, ich erkenne besser, wo Fehler, Unstimmigkeiten, Redundanzen und andere Grausamkeiten versteckt sind. Digitaler Text ist beweglich, variabel in scheinbar unendlichen Möglichkeiten von copy&paste und erase&rewind. Was ebenso wichtig ist: der Sound, sprich: sich den Text laut vorzulesen. Das sage ich, auch wenn Michael Lentz in einem Seminar zu mir gesagt hat: Vergessen Sie den Sound, Frau Gugić.

In einem Interview hast du einmal auf die Frage, welches Buch du schon an die Wand geworfen hast, geantwortet, dass du grundsätzlich nicht mit Büchern wirfst – nicht einmal mit Esoterik. Was ist also ein gedrucktes und gebundenes Buch für ein Ding? Gibt es so etwas wie eine beinahe heilige Aura eines Buches, das dem Ding Buch einen besonderen Wert verleiht, ungeachtet seines Inhaltes?

Als Vorschulkind habe ich mir vorgenommen, die deutsche Sprache so perfekt wie möglich zu lernen, damals, vor allem bevor ich lesen gelernt habe, waren Bücher wirklich heilig für mich. Das hängt mit meinem Migrationshintergrund zusammen und der daraus folgernden hohen Dringlichkeit, diese Sprache zu beherrschen. Aber prinzipiell: Nichts sollte allzu heilig sein. Und natürlich ist der Inhalt eines Buches relevant.


Das vollständige Interview könnt ihr in Ausgabe 6 von ]trash[pool lesen – erhältlich über bestellung@trash-pool.de, das Kontaktformular meines Blogs sowie (in Kürze auch digital) bei unserem Vertriebspartner duotincta. Ich danke Lisa Müller für die Freigabe des Gesprächs!

]trash[pool #6 ist da!

Cover_trashpool_2015-07-02.inddWie peinlich! Zwar sitze ich schon seit Wochen auf zwei halbfertigen Blogartikeln herum, die ich dank #fbm15 und Dezemberfieber einfach nicht fertig kriege – aber dass die sechste Ausgabe von ]trash[pool endlich draußen ist, wäre durchaus eine Meldung wert gewesen… Spätestens jetzt gibt es aber einen großartigen Anlass, auf das neue Heft hinzuweisen: Auf Literaturen schrieb Sophie Weigand eine sehr, sehr tolle Rezension zu unseren letzten beiden Ausgaben! ]trash[pool #6 ist ab sofort über bestellung@trash-pool.de, das Kontaktformular meines Blogs sowie in Kürze auch bei unserem Vertriebspartner duotincta erhältlich!

Dezemberfieber: Leserunde bei LovelyBooks

Bildschirmfoto 2015-10-05 um 21.14.22Ehe hier auf meinem Blog bald wieder ein bisschen Normalität einkehrt und ich endlich Zeit finde, mal wieder einen Roman zu besprechen (Pippa Goldschmidts „Weiter als der Himmel“ übrigens), reicht es heute leider bloß zu einem Hinweis in eigener Sache: Bis einschließlich Mittwoch Abend könnt ihr euch für meine Leserunde zu „Dezemberfieber“ bei LovelyBooks bewerben – es werden zehn Exemplare verlost!

Ich bin sehr gespannt auf die Erfahrung, mich gemeinsam mit Lesern beim social reading über meinen Roman auszutauschen und hoffe auf interessante Gespräche und Diskussionen, wenn es nach der Buchmesse in der Gruppe losgeht!

Auch zwei neue Lesungstermine darf ich inzwischen verkünden: Auf die liebe Einladung des Blogs Angelika liest lese ich am 27.10. in Angelikas Büchergarten in Ruppichteroth und freue mich darauf, Angelika dort persönlich zu ihrem wahr gemachten Lebenstraum zu gratulieren! Am Tag darauf darf ich in der so schönen wie renommierten Bernstein-Verlagsbuchhandlung in Siegburg lesen – und zwar vor so illustren Gästen wie Sven Heuchert, dessen großartigen Erzählband „Asche“ ich hier bereits vor kurzem vorgestellt habe. Alle weiteren Termine gibt es hier!

Texte gesucht: E-Book #bloggerfuerfluechtlinge

Instagram-bloggerfuerfluchtlingeViele haben es ja sicher bereits auf Schöne Seiten oder anderswo gesehen: Für ein karitatives E-Book, das beim Digitalverlag mikrotext erscheinen wird, suchen wir Beiträge zum Thema Flucht: Persönliche Auseinandersetzungen mit Flucht und Flüchtlingshilfe (z.B. Interviews, Porträts oder Erfahrungsberichte), die sich aber nicht allein auf die aktuelle Situation beschränken müssen. Obwohl diese natürlich im Fokus steht, möchten wir gerne auch ein größeres Bild aufzeigen; immer wieder in der Geschichte sahen sich Menschen in Not gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und waren auf die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft anderer angewiesen. Das fünfundzwanzigjährige Jubiläum der Wiedervereinigung sollte uns dieser Tage daran erinnern, dass eine Flucht unter Lebensgefahr noch immer Teil der jüngeren Geschichte Deutschlands ist.

In den letzten Wochen haben wir für das Projekt, dessen Erlöse der Initiative Blogger für Flüchtlinge zugute kommen sollen, bereits viele großartige und wichtige Texte gelesen. Doch wir sind weiterhin auf der Suche nach Beiträgen, die das E-Book thematisch bereichern können und freuen uns sowohl über selbstgeschriebene Texte als auch über Links und Hinweise auf Artikel, die wir uns unbedingt einmal anschauen sollten!

Mehr zur Ausschreibung findet ihr im Exposé!

„Dezemberfieber“ ist da!

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Die Post lässt sich ja gerne mal etwas Zeit: Auf meine gestrige Lieferung habe ich zum Beispiel mein halbes Leben gewartet! Doch nachdem ich beinahe versucht war, unseren Postboten zu stalken und ab dem gefühlt siebenundzwanzigsten Gang zum Briefkasten bereits mit dem Gedanken spielte, ihn mit einer Alarmanlage oder (weil billiger) einer Mausefalle zu bestücken, durfte ich ihn am Mittag endlich in den Händen halten: meinen Debütroman Dezemberfieber.

Ein zunächst eigenartiges Gefühl. Aber eines, das mit jeder Stunde schöner wurde. Hatte ich anfangs noch Angst, irgendwo auf peinliche oder ärgerliche Fehler zu stoßen, kann ich mich inzwischen sehr darüber freuen, was für ein schönes Buch der Verlag duotincta und dessen Gestalterin Nadine Tsalawasilis aus meinem Manuskript gemacht haben!

Bestellen könnt ihr Dezemberfieber überall im lokalen Buchhandel oder online, z.B. hier. Natürlich erscheint mein Roman auch digital: Das e-Book veröffentlicht duotincta voraussichtlich Ende September. Und obwohl es wahrscheinlich noch ein 1-2 Wochen dauert, bis alles richtig ins Rollen gekommen ist und das Buch schnell geliefert werden kann, darf es bereits in der nächsten Woche über den Ladentisch gehen – zum Beispiel auf meiner Lesung im Café LIVRES in Essen, die ich der freundlichen Einladung von Das Debüt zu verdanken habe. Trotz stündlich steigender Nervosität – immerhin ist es meine Premierenlesung als Romanautor – freue ich mich schon sehr auf den Abend!

lieferungDas fertige Buch nach so vielen Jahren Arbeit neben mir liegen zu sehen ist ein besonderes, wenn auch noch ein wenig unwirkliches Gefühl – umso mehr der Gedanke daran, dass es nun endlich von (hoffentlich vielen) Menschen gelesen werden kann. Wer etwas über die Entstehungsgeschichte von Dezemberfieber erfahren möchte, kann hier ein Interview nachlesen, das ich bereits vor einigen Jahren einem (inzwischen leider stillgelegten) Blog gegeben habe; damals hielt ich meine Arbeit an dem Manuskript für beinahe abgeschlossen – es folgten jedoch einige teils sehr frustrierende Jahre, die Dezemberfieber noch zum Reifen brauchte. Erst mit dem nötigen Abstand zum Text konnte ich eine Fassung schreiben, mit der ich rundum zufrieden war.

Aber jetzt ist das Buch da, fast dreißig Jahre, nachdem ich meiner Grundschullehrerin erzählte, ich wolle einmal Romanautor werden. Und eigentlich geht es jetzt erst richtig los…


PS: Leider fehlt mir aufgrund des Romans und einiger anderer Projekte, von denen hier noch die Rede sein wird, momentan ein bisschen die Zeit fürs Bloggen. Aber ich gelobe Besserung!

PPS: Meine Quellen haben mir ein Video zugespielt, das den Moment zeigt, in dem mein Roman ins Amazon-Lager einsortiert wird: (mehr …)

Haltung zeigen, die Zweite. Eine Polemik.

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Was ist bloß aus dem Sommermärchen geworden? Im Jahr 2006 flitzte David Odonkor noch über den Fußballplatz, während sich Deutschland – fröhlich wimpelschwenkend – als weltoffenes und sympathisches Land präsentieren durfte, das sich sogar über einen dritten Platz freuen kann. Neun Jahre später muss sich Odonkor bei Big Brother im Keller behaupten. Und in Deutschland brennen wieder Flüchtlingsheime.

Eigentlich wollte ich nach meiner langen Sommerpause ja lieber etwas über Bücher schreiben – aber solange sie hierzulande nicht wieder verbrannt werden, besteht da als Literaturblogger (noch) keine Eile. Stattdessen ist es mir ein dringendes Bedürfnis, aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation abermals ein Thema aufzugreifen, mit dem ich mich bereits Anfang des Jahres anlässlich der Pegida-Bewegung auseinandergesetzt habe: Haltung zeigenWas in Heidenau und anderswo geschah, ist trauriger Höhepunkt einer Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet; das gefährliche Spiel der AfD mit dem Stimmenfang am rechten Rand, die Märsche „besorgter Bürger“ in Dresden & Co. sowie die Pauschalablehnung etablierter Parteien und Medienorgane sind nur die auffälligsten Symptome einer erschreckenden gesellschaftlichen Entwicklung. Immer öfter entlädt sich die tiefsitzende Frustration einer lautstarken Minderheit in rechten Parolen (in mitunter bürgerlichem Gewand) und Gewalt. 

Ein Algorithmus der Verblendung

Eine Teilschuld daran trägt – und das behaupte ich nicht nur, weil ich mich auf den neuen Franzen vorbereiten will – ausgerechnet das demokratischste Medium von allen: das Internet. Was früher unter vorgehaltener Hand am Stammtisch propagiert wurde, findet heute nicht nur via Troll-Express seinen Weg in die Kommentarspalten von Presseartikeln, sondern dank Facebook & Co. auch eine breite Öffentlichkeit. Rechte Idioten haben schon früher in der Regel keine Zeitung gelesen; gefährlicher sind heute dagegen diejenigen, die auf die Lügenpresse schimpfen und sich ihre fertige Meinung stattdessen von vermeintlich unabhängigen Medien bestätigen lassen. Anstatt ihr Denken in Frage zu stellen, schustern sie sich in Sozialen Netzwerken und Onlineforen tendenziöse und teils verschwörungstheoretische Artikel zu, mit denen sie sich gegenseitig ihr Weltbild legitimieren. Gefährlich ist dabei vor allem das immer stärker ausgeprägte Sendungsbewusstsein: Aus Das wird man doch noch sagen dürfen! ist inzwischen längst ein Das muss endlich mal gesagt werden! geworden.

Fängt man an, sich in diese Kreise einzulesen, findet man innerhalb kürzester Zeit Gruppen, die jede noch so krude Theorie propagieren – fast fühlt man sich an einen Amazon-Algorithmus erinnert: Ihnen gefiel Pegida? Dann missfällt Ihnen bestimmt auch die Tatsache, dass Deutschland kein souveräner Staat, sondern bloß eine GmbH ist! Kunden, die sich nach „9/11-Verschwörung“ umgesehen haben, interessierten sich auch für „Ausschwitz-Lüge“ und den neuesten Aufsatz von Eva Herman. Es ist ein Algorithmus der Verblendung: Wer glaubt, dass die Flüchtlinge in einem groß angelegten Plan unsere christliche Wertegemeinschaft unterwandern wollen, der hält vielleicht auch Wladimir Putin für einen lupenreinen Demokraten oder Barack Hussein Obama für einen kriegstreiberischen Undercover-Moslem mit gefälschtem Pass. Natürlich werfe ich hier polemisch die unterschiedlichsten Themen und Verirrungen in einen Topf – aber sie alle spiegeln ein Stimmungsbild, eine Frustration wider, die die Ereignisse der letzten Wochen überhaupt erst möglich gemacht haben. (mehr …)